Krypto-Derivate und CFDs: der Tarif statt der 27,5 Prozent.
CFDs, Futures und Optionen auf Krypto werden in Österreich meist anders besteuert als der direkte Handel. Statt der 27,5 Prozent KESt greift oft der progressive Tarif bis 55 Prozent. Wir erklären die Unterscheidung und was das für deine Steuerlast bedeutet.
Direkte Antwort
Krypto-Derivate ohne Wertpapiercharakter, also CFDs, Futures, Perpetuals und Optionen, gelten in Österreich meist als nicht verbriefte Derivate und unterliegen dem progressiven Einkommensteuertarif von 0 bis 55 Prozent, nicht dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent. Verbriefte Derivate wie Zertifikate, Optionsscheine oder Krypto-ETPs fallen dagegen unter die 27,5 Prozent KESt. Beide bilden getrennte Steuerwelten: Verluste der einen senken keine Gewinne der anderen, und ein Verlustvortrag in Folgejahre ist nicht möglich.
Grundlagen
Was ist der entscheidende Unterschied zwischen verbrieften und unverbrieften Derivaten?
Ob ein Krypto-Derivat mit 27,5 Prozent oder mit dem progressiven Tarif besteuert wird, hängt davon ab, ob es einen Wertpapiercharakter hat, also verbrieft ist.
Der direkte Handel mit Kryptowährungen aus dem Neubestand unterliegt dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent. Für Derivate gilt eine wichtige Ausnahme: Nach § 27a Abs. 2 Z 7 EStG sind Einkünfte aus nicht verbrieften Derivaten vom Sondersteuersatz ausgenommen und werden nach dem progressiven Einkommensteuertarif besteuert, der zwischen 0 und 55 Prozent liegt. Nicht verbrieft bedeutet, dass das Produkt keinen Wertpapiercharakter hat. Verbriefte Derivate wie Zertifikate oder Optionsscheine haben diesen Charakter und fallen daher wieder unter die 27,5 Prozent KESt.
Einordnung
Wie werden die verschiedenen Produkte besteuert?
Klassische Hebelprodukte wie CFDs, Futures und Perpetuals gelten als unverbrieft und unterliegen dem progressiven Tarif.
In der Praxis zählen die klassischen Hebelprodukte zu den nicht verbrieften Derivaten und unterliegen damit dem Tarif: Krypto-CFDs (Contracts for Difference), Krypto-Futures und Perpetual Contracts sowie Optionsgeschäfte auf Kryptowährungen, sofern nicht verbrieft. Auch Forex-CFDs gehören dazu. Auf der anderen Seite stehen die verbrieften Produkte mit Wertpapiercharakter: Zertifikate, Optionsscheine und börsengehandelte Krypto-Produkte (ETPs), die steuerlich wie verbriefte Derivate mit 27,5 Prozent KESt behandelt werden. Bei diesen lassen sich Verluste zudem mit Gewinnen aus Aktien und ETFs verrechnen.
Überblick
Welche Produkte unterliegen welchem Steuersatz?
Die Tabelle ordnet jedes Produkt entweder dem Sondersteuersatz oder dem progressiven Tarif zu.
| Produkt | Einstufung | Steuer |
|---|---|---|
| Krypto-Spot (Neubestand) | Kryptowährung | 27,5 Prozent KESt |
| Krypto-CFD | unverbrieftes Derivat | progressiv 0 bis 55 % |
| Krypto-Futures, Perpetuals | unverbrieftes Derivat | progressiv 0 bis 55 % |
| Optionen auf Krypto (unverbrieft) | unverbrieftes Derivat | progressiv 0 bis 55 % |
| Forex-CFD | unverbrieftes Derivat | progressiv 0 bis 55 % |
| Zertifikat, Optionsschein, Krypto-ETP | verbrieftes Derivat | 27,5 Prozent KESt |
Rechtsgrundlage: § 27 Abs. 4 und § 27a Abs. 2 Z 7 EStG. Die Einstufung eines konkreten Produkts kann im Einzelfall strittig sein, siehe unten. Stand geprüft Juli 2026.
Verlustverrechnung
Welche zwei Steuerwelten gibt es?
Für den Verlustausgleich existieren zwei getrennte Welten, die sich nicht miteinander verrechnen lassen.
Für die Verlustverrechnung ist entscheidend, dass zwei getrennte Welten existieren. In der KESt-Welt mit 27,5 Prozent liegen Aktien, ETFs, Anleihen, verbriefte Derivate und Krypto-Neubestand, deren Verluste untereinander verrechenbar sind. In der Tarif-Welt liegen die nicht verbrieften Derivate wie CFDs, Futures und Optionen. Verluste der einen Welt senken keine Gewinne der anderen (§ 27 Abs. 8 Z 3 EStG). Zusätzlich gilt: Bei privaten Kapitaleinkünften gibt es in Österreich keinen Verlustvortrag in Folgejahre. Verluste, die du bis zum 31. Dezember nicht mit Gewinnen derselben Welt verrechnet hast, verfallen. Wer Verluste hat, sollte deren Realisierung daher vor dem Jahresende einplanen.
Beispiel
Warum ist die Wahl des Instruments auch eine Steuerentscheidung?
Dieselbe Marktidee kann je nach Instrument sehr unterschiedlich besteuert werden, besonders bei hohem Einkommen.
Ob du eine Marktidee über einen CFD oder über ein verbrieftes Zertifikat umsetzt, macht steuerlich einen großen Unterschied, gerade bei hohem Einkommen.
Beispiel: 10.000 Euro Gewinn, Spitzensteuersatz
| Über einen Krypto-CFD (Tarif, hier 55 %) | 5.500 € Steuer |
| Über ein verbrieftes Zertifikat (27,5 Prozent) | 2.750 € Steuer |
| Unterschied bei identischem Gewinn | 2.750 € |
Das Beispiel zeigt den Extremfall im Spitzentarif. Wie groß der Unterschied bei dir ausfällt, hängt von deinem persönlichen Grenzsteuersatz ab. Liegt dieser unter 27,5 Prozent, kann der Tarif sogar günstiger sein.
Ausland
Was gilt bei ausländischen Brokern in der EU?
Ausländische Broker führen keine österreichische KESt ab, diese Gewinne erklärst du selbst über die Beilage E1kv.
Nicht verbriefte Derivate werden meist über ausländische Broker wie Interactive Brokers gehandelt, die keine österreichische KESt abführen. Diese Gewinne musst du selbst über die Beilage E1kv erklären, wo sie dann dem Tarif unterworfen werden. Es gibt allerdings eine unionsrechtliche Feinheit: Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs kann für Einkünfte aus nicht verbrieften Derivaten, die über eine Bank in der EU bezogen werden, der Sondersteuersatz von 27,5 Prozent zur Anwendung kommen. Liegt dein persönlicher Grenzsteuersatz über 27,5 Prozent, kann das für dich vorteilhaft sein. Diese Konstellation ist komplex und im Einzelfall unterschiedlich zu beurteilen, hier lohnt sich eine steuerliche Beratung.
Vorsicht
Warum kann die Einstufung im Einzelfall strittig sein?
Ob ein Produkt als verbrieft gilt, ist nicht immer eindeutig, im Zweifel gehört der Einzelfall zur Steuerberatung.
Ob ein konkretes Produkt als verbrieft oder unverbrieft gilt, ist nicht immer eindeutig, und es gibt Fälle, in denen die Finanzverwaltung eine andere Einordnung vertritt als der Anleger. Die hier beschriebene Einstufung entspricht der überwiegenden Auffassung, ersetzt aber keine verbindliche Beurteilung deines konkreten Produkts. Gerade weil der Unterschied zwischen 27,5 Prozent und dem progressiven Tarif erheblich ist, solltest du bei größeren Derivate-Positionen die Einstufung deines Produkts und Brokers mit einem auf Krypto spezialisierten Steuerberater klären. Eine saubere, lückenlose Dokumentation aller Trades, Anschaffungskosten, Erlöse und Gebühren ist dabei die Grundlage.
Häufige Fragen
Welche Fragen werden häufig gestellt?
Die folgenden Antworten fassen die häufigsten Fragen zu diesem Thema kurz zusammen.
Werden Krypto-CFDs mit 27,5 Prozent besteuert?
Wie werden Krypto-Futures und Optionen besteuert?
Was ist der Unterschied zwischen verbrieften und unverbrieften Derivaten?
Kann ich CFD-Verluste mit Krypto-Gewinnen verrechnen?
Wo trage ich Gewinne aus Krypto-Derivaten ein?
Kann bei ausländischen EU-Brokern der Sondersteuersatz gelten?
Ist die Einstufung als unverbrieftes Derivat immer eindeutig?
Redaktion
Wer verantwortet diesen Inhalt?
Die Redaktion von kryptosteuer-check.com verantwortet Recherche, Inhalt und Aktualisierung.
Zuletzt geprüft am 10. Juli 2026.
Quellen
Auf welchen Primärquellen beruhen die Angaben?
Steuerangaben beruhen vorrangig auf dem BMF und dem geltenden EStG, Preise und Funktionen auf den offiziellen Anbieterseiten.
Keine Steuerberatung. Die Inhalte ersetzen keine individuelle Beurteilung. Prüfe deinen Fall beim BMF und mit einer qualifizierten Steuerberatung.